Digitalisierung im Gesundheitswesen

Der sektorenübergreifende Ausbau der Telematikinfrastruktur soll in den nächsten Jahren finalisiert werden. Doch nach wie vor ist offen wie die intersektorale digitale Vernetzung zugunsten aller Marktteilnehmer bestmöglich umgesetzt werden kann. Von Ärzteverbänden kommt Kritik angesichts eines erhöhten Sicherheitsrisikos bei der digitalen Übertragung von sensiblen Patientendaten. Der Datenschutz und die Patientenrechte bleiben brisante Themen bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Vor allem auch im Hinblick auf die elektronische Patientenakte (ePA). Es ist sicherlich sinnvoll das Tempo bei diesem wichtigen Projekt zu halten. Doch wenn aufgrund zu knapper zeitlicher Fristen die Gefahr besteht, dass zunächst auf relevante Patientenrechte verzichtet wird, könnte das die Akzeptanz der ePA nicht nur bei den Versicherten stark beeinträchtigen.

In Zusammenhang mit dem Referentenentwurf zum Digitalen Versorgungsgesetz (DVG) werden die Potenziale und Herausforderungen von digitalen Gesundheitsanwendungen kritisch diskutiert. Es stellt sich die Frage welche Evidenzanforderungen und Nutzenbewertung an Gesundheits-Apps gestellt werden müssen, damit sie Zugang in die Regelversorgung erhalten. Qualität, Nutzen und Wirtschaftlichkeit der Gesundheits-Apps stehen auch bei den Kostenträgern im Fokus – einerseits. Andererseits werden die Krankenkassen durch den Gesetzentwurf als digitale Innovationstreiber gestärkt. So dürfen sie die erhobenen und gespeicherten Daten ihrer Versicherten künftig umfangreicher auswerten als bisher, um so neue innovative Versorgungsansätze zu entwickeln. Damit haben sie die Möglichkeit, mit eigenen digitalen Versorgungsinnovationen an ihre Versicherten heranzutreten und damit auch Einfluss auf die ärztliche Versorgung zu nehmen. Auch das wird durchaus kritisch gesehen. Es bleibt zu klären, welche Rolle die Leistungsträger beim Einsatz dieser digitalen Anwendungen haben. Werden sie in die digitale Diagnose- und Therapiesysteme eingebunden? Und wenn ja, wie soll das aussehen?

Angesichts des demografischen Wandels und des Ärztemangels im ländlichen Raum wird nach neuen Lösungen für die medizinische Versorgung auf dem Land gesucht. Wie können stationäre und ambulante Strukturen weiterentwickelt werden? Wie können sie sinnvoll miteinander verzahnt werden, damit die Herausforderungen bewältigt werden? Dass innerhalb dieses Entwicklungsprozesses die Telemedizin noch stärker ausgebaut und genutzt werden soll, ist unumstritten.

Im stationären Bereich ist weiterhin offen wie mit dem Mangel an Pflegekräften umzugehen ist. Ob die gesetzlich relevanten Pflegepersonaluntergrenzen, die für die pflegeintensiven Bereiche eingeführt wurden, hier tatsächlich helfen ist fraglich. Zumal die effizienten und gut strukturierten Häuser davon eher nicht profitieren. Darüber hinaus wird diskutiert wie man es insgesamt erreichen kann, dass der Pflegeberuf wieder an Attraktivität gewinnt. Robotikassistenz und Künstliche Intelligenz bieten dafür sicherlich Potenzial. Zum einen könnten die Pflegekräfte durch Robotor im Klinikalltag entlastet werden, so dass sie wieder mehr Zeit für die Pflege der Patienten haben. Zum anderen bietet die Digitalisierung Möglichkeiten, das Berufsfeld zu verändern und neue interessante Verantwortungs- und Kompetenzbereiche aufzubauen.

Wettbewerbsfähigkeit stärken, Anspruchsgruppen überzeugen

Fakt ist, Patienten hinterfragen ihre medizinische Versorgung deutlich kritischer als früher. Im Zuge der aktuellen Entwicklungen ist zu erwarten, dass sie sich noch sensibilisierter mit ihren Versorgern und den medizinischen Angeboten auseinandersetzen. Sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich steigt der Wettbewerbsdruck.

Um die Patienten für sich zu gewinnen, müssen sie von Qualität und Expertise der medizinischen Einrichtung, von Angebot und Therapie überzeugt werden. Es gilt den Patienten zufriedenzustellen. Zufriedene Patienten kommen wieder. Und sie empfehlen die gesundheitliche Einrichtung und das Leistungsangebot weiter. Ein kontinuierlicher Patientenzufluss sorgt für das Überleben des Gesundheitsanbieters.

Darüber hinaus gibt es im lokalpolitischen, im gesundheits- und berufspolitischen, im fachlichen, öffentlichen und internen Bereich sowie nicht zuletzt im wirtschaftlichen Umfeld weitere wichtige Interessensgruppen. Auch sie müssen von der Wettbewerbsfähigkeit, von Qualität und Expertise der Einrichtung überzeugt werden.

Positionierung und Kommunikation

Die Wettbewerbsfähigkeit des Gesundheitsanbieters zu erhalten und zu stärken ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in der angespannten Situation. Auch die gezielte Ansprache der unterschiedlichen Interessensgruppen muss erfolgreich sein. Beides kann nur gelingen, indem die Anbieter eine glaubwürdige Positionierung implementieren und zielgruppengenaue Kommunikationsstrategien entwickeln, die die unterschiedlichen Anspruchsgruppen überzeugen.

Positionierung ist das gezielte Herausstellen der eigenen Stärken, Leistungsfähigkeiten und Qualitäten. Ziel ist es, sich dadurch positiv von seinen Wettbewerbern abzuheben, einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen und den wirtschaftlichen Geschäftserfolg auszubauen. Eine wettbewerbsfähige Positionierung im Markt zu etablieren, ist angesichts der vielfältigen Herausforderungen auch für die Gesundheitsanbieter entscheidend.
Mit Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit wird die Positionierung kommunikativ gestützt. Externe und interne Anspruchsgruppen werden angesprochen. Die medizinischen Versorger haben so die Möglichkeit, mit Inhalte und Themen zu überzeugen, ihre Interessen an richtiger Stelle zu platzieren und mit ihren Anspruchsgruppen zu relevanten Themen in den Dialog zu treten.

Positionierung und Kommunikation – beides ist wichtig, um den Geschäftserfolg von Gesundheitsanbietern im Wettbewerbsmarkt Gesundheitsversorgung langfristig zu garantieren.