Digitalisierung im Gesundheitswesen

Das Digitale Versorgungsgesetz (DVG) wurde Anfang November 2019 im Bundestag verabschiedet und Ende November vom Bundesrat gebilligt. Kurz vor Weihnachten 2019 trat es in Kraft. Es soll maßgeblich dazu beitragen, die Patientenversorgung in Deutschland weiter zu verbessern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sieht in den digitalen Lösungen eine konkrete Verbesserung für den Patienten-Alltag. Mit diesem Gesetz werde die Versorgung digitaler und besser, so Spahn. Der gesetzliche Rahmen für die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist damit geschaffen. Jetzt gilt es, die Digitalisierung vor allem zum Nutzen der Patienten und Versicherten erfolgreich zu implementieren.

Ärzte können ihren Patienten künftig Gesundheits-Apps auf Rezept verschreiben. Die Kosten für die Apps tragen die Krankenkassen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird die Gesundheits-Apps niedriger Risikoklassen I bis IIa mit CE-Kennzeichnung im Fast-Track-Verfahren auf Sicherheit, Funktionalität, Qualität, Nutzen und Datensicherheit überprüfen. Innerhalb von drei Monaten nach Antragstellung der Hersteller wird entschieden, ob die App in das Verzeichnis der erstattungsfähigen Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) aufgenommen wird und vom Arzt verschrieben werden kann.

Die Krankenkassen werden durch das Gesetz als digitale Innovationstreiber gestärkt und sollen damit auch zu einer verbesserten Patientenorientierung in der Versorgung beitragen. So ist es ihnen künftig möglich, die Entwicklung digitaler Innovationen zu fördern und damit die Versorgungsqualität und die Versorgungseffizienz zu verbessern. Versorgungsdefizite sollen so besser erkannt und behoben werden. Gleichzeitig haben die Krankenkassen damit auch die Möglichkeit, digitale Innovationen u. a. mit Herstellern von Medizinprodukten oder mit Unternehmen aus dem Bereich der Informationstechnologie zu entwickeln und ihren Versicherten anzubieten. Für die Entwicklung digitaler Versorgungsinnovationen können sie bis zu 2% ihrer Finanzreserven einsetzen. Dass sie dadurch auch erheblichen Einfluss auf die ärztliche Versorgung nehmen könnten, wird durchaus kritisch gesehen. Es bleibt zu klären, welche Rolle die Leistungsträger beim Einsatz dieser digitalen Innovationen haben. Werden sie z. B. bei den IT-gestützten Verfahren in der Versorgung eingebunden? Und wenn ja, wie wird das konkret umgesetzt?

Der Datenschutz und die Patientenrechte bleiben brisante Themen bei der Digitalisierung und der elektronischen Patientenakte (ePA). Um digitale Angebote nutzbar zu machen und sensible Gesundheitsdaten gleichsam bestmöglich zu schützen, hat der Bundestag am 3. Juli 2020 das Patientendaten-Schutz-Gesetz (PDSG) beschlossen. Im Herbst 2020 wird es voraussichtlich in Kraft treten. Beträchtliche datenrechtliche Bedenken und Einwände bestehen trotz PDSG weiterhin bei verschiedenen Interessensvertretern.

Angesichts des demografischen Wandels und des Ärztemangels im ländlichen Raum wird nach neuen Lösungen für die medizinische Versorgung auf dem Land gesucht. Wie können stationäre und ambulante Strukturen weiterentwickelt werden? Wie können sie sinnvoll miteinander verzahnt werden, damit die Herausforderungen bewältigt werden? Dass innerhalb dieses Entwicklungsprozesses die Telemedizin noch stärker ausgebaut und genutzt werden soll, ist unumstritten.

Im stationären Bereich ist weiterhin offen wie mit dem Mangel an Pflegekräften umzugehen ist. Ob die gesetzlich relevanten Pflegepersonaluntergrenzen, die für die pflegeintensiven Bereiche eingeführt wurden, hier tatsächlich helfen ist fraglich. Zumal die effizienten und gut strukturierten Häuser davon eher nicht profitieren. Darüber hinaus wird diskutiert wie man es insgesamt erreichen kann, dass der Pflegeberuf wieder an Attraktivität gewinnt. Robotikassistenz und Künstliche Intelligenz bieten dafür sicherlich Potenzial. Zum einen könnten die Pflegekräfte durch Robotor im Klinikalltag entlastet werden, so dass sie wieder mehr Zeit für die Pflege der Patienten haben. Zum anderen bietet die Digitalisierung Möglichkeiten, das Berufsfeld zu verändern und neue interessante Verantwortungs- und Kompetenzbereiche aufzubauen.

Wettbewerbsfähigkeit stärken, Anspruchsgruppen überzeugen

Fakt ist, Patienten hinterfragen ihre medizinische Versorgung deutlich kritischer als früher. Im Zuge der aktuellen Entwicklungen, vor allem bei der Digitalisierung, könnte erwartet werden, dass sie innovative Versorgungsformen bei ihren Ärzten verstärkt nachfragen. Im Umkehrschluss heißt das, dass vor allem auch die Ärzte von der digitalen Versorgungsform, von der „App auf Rezept“ überzeugt werden müssen. Die Ärzte müssen darin einen echten Mehrwert, einen echten Nutzen für die Behandlung erkennen. Gleichwohl ist zu erwarten, dass sich beide Anspruchsgruppen, angesichts der Debatten um Datenmissbrauch, Datenschutz, Qualität und Nutzen digitaler Innovationen, noch sensibilisierter mit den in Frage kommenden medizinischen Angeboten auseinandersetzen werden.

Um die Patienten für sich zu gewinnen, müssen sie von Qualität und Expertise der medizinischen Einrichtung, von Angebot und Therapie überzeugt werden. Es gilt den Patienten zufriedenzustellen. Zufriedene Patienten kommen wieder. Und sie empfehlen die gesundheitliche Einrichtung und das Leistungsangebot weiter. Ein kontinuierlicher Patientenzufluss sorgt für das Überleben des Gesundheitsanbieters.

Darüber hinaus gibt es im lokalpolitischen, im gesundheits- und berufspolitischen, im fachlichen, öffentlichen und internen Bereich sowie nicht zuletzt im wirtschaftlichen Umfeld weitere wichtige Interessensgruppen. Auch sie müssen von der Wettbewerbsfähigkeit, von Qualität und Expertise der Einrichtung überzeugt werden.

Positionierung und Kommunikation

Die Wettbewerbsfähigkeit des Gesundheitsanbieters zu erhalten und zu stärken ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in der angespannten Situation. Auch die gezielte Ansprache der unterschiedlichen Interessensgruppen muss erfolgreich sein. Beides kann nur gelingen, indem die Anbieter eine glaubwürdige Positionierung implementieren und zielgruppengenaue Kommunikationsstrategien entwickeln, die die unterschiedlichen Anspruchsgruppen überzeugen.

Positionierung ist Standortbestimmung und dient ebenfalls dazu, die visionäre Ausrichtung zu erarbeiten. Ziel ist es, sich dadurch positiv von seinen Wettbewerbern abzuheben, einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen und den wirtschaftlichen Geschäftserfolg auszubauen. Eine wettbewerbsfähige Positionierung im Markt zu etablieren, ist angesichts der vielfältigen Herausforderungen auch für die Gesundheitsanbieter entscheidend.
Mit Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit wird die Positionierung kommunikativ gestützt. Externe und interne Anspruchsgruppen werden angesprochen. Die medizinischen Versorger haben so die Möglichkeit, mit Inhalte und Themen zu überzeugen, ihre Interessen an richtiger Stelle zu platzieren und mit ihren Anspruchsgruppen zu relevanten Themen in den Dialog zu treten.

Positionierung und Kommunikation – beides ist wichtig, um den Geschäftserfolg von Gesundheitsanbietern im Wettbewerbsmarkt Gesundheitsversorgung langfristig zu garantieren.